Naturschutzgebiet „Schwansener See“

Luftbild des Schwansenner See

Der Schwansener See zählt mit seiner Wasserfläche von 11 Hektar zu den größten Strandseen der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Das Naturschutzgebiet umschließt die unmittelbar an den See angrenzenden Röhrichte, Salzwiesen, Feuchtsenken, den östlich gelegenen Strandwall und einen größeren Flachwasserbereich der Ostsee. Das seit 1987 unter Naturschutz stehende Gebiet ist insgesamt 240 Hektar groß. Es ist Teil des europäischen Netzwerkes „Natura 2000“ (FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet). Dessen Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt, der natürlichen Lebensräume und der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten.

Von der Meeresbucht zum See

Die Entstehung des Schwansener See reicht bis zur letzten Eiszeit zurück. Gletscher der Weichsel-Vereisung haben hier eine weit in das Innere der Halbinsel Schwansen reichende Bucht ausgeformt. Diese wurde vor etwa 7000 Jahren von der allmählich ansteigenden Ostsee überflutet. Eine Nord-Süd gerichtete küstenparallele Strömung verfrachtete von der Steilküste bei Schönhagen abgetragenes Material und lagerte dieses weiter südlich als schmalen Strandwall ab. Im Laufe von Jahrhunderten schloss der Nehrungshaken den Niederungsbereich vollständig von der freien See ab. Von der ehemals überfluteten Ostseebucht blieb der Strandsee zurück, der allmählich aussüßte.

Heute verhindern Deiche und Betonmauern das Eindringen von Salzwasser. Die übrigen Niederungsflächen wurden nach Abdeichung vom Schwansener See entwässert und werden intensiv landwirtschaftlich bewirtschaftet.

Rast- und Zugvögel

Zwergseeschwalbe

Im Herbst und im Frühjahr zieht eine große Zahl an Wasser- und Watvögeln wie Pfeifenten- und Graugänse über das Gebiet, um hier zu rasten und nach Nahrung zu suchen. Der Strandsee dient insbesondere Berg- und Reiherenten als Schlafplatz. Tausende dieser Tauchenten ruhen tagsüber auf dem See und fliegen nachts zur Nahrungssuche auf die Ostsee.

Brutvögel

Kiebitz

Die Vielfalt der Lebensräume ist Grundlage für eine bemerkenswert hohe Zahl an Brutvögeln am Schwansener See. Zu den typischen Brutvögeln des Strandwalls gehören Zwergseeschwalbe und Sandregenpfeifer. Im Röhricht nisten Haubentaucher, Graugans sowie Reiher- und Tafelente. Auch Rohrdommel sowie Teich- und Schilfrohrsänger finden hier geeignete Niststandorte. Auf extensiv beweideten, von Blänken durchsetzten Salzwiesen tummeln sich typische Wiesenvögel wie Kampfläufer und Kiebitz. Hier brüten Löffel-, Schnatter- und Knäkente. Dem Kiebitz kommt am Schwansener See eine besondere Bedeutung zu. Die Küken schlüpfen schon Ende April und werden dann von den Eltern gegenüber dem Fuchs oder Greifvögeln bis zum Äußersten verteidigt. Von diesem aggressiven Verhalten profitieren auch andere Wiesenvögel wie Austernfischer, Rotschenkel, Löffelente, Wiesenralle und Wiesenpieper, die zur Brutzeit die Nähe des Kiebitzes suchen.

Der Strand – Brutplatz seltener Arten

Der Lebensraum typischer Küstenvögel wie Seeschwalben, Regenpfeifer oder Möwen ist durch einen stetigen Wandel der Umweltbedingungen geprägt. Wellen und Meeresströmung verlagern beständig Sand, Geröll und Algen. Die Strände sind zudem häufigen Katastrophen wie Überflutungen ausgesetzt und daher von Natur aus zumeist nur spärlich bewachsen. Die Zwergseeschwalben sind zur Brut nahezu zwingend aufdie veränderlichen Küstenlebensräume angewiesen. Sie besiedeln vor allem vegetationsarme, steinige Kiesflächen und stehen dadurch in Konkurrenz zum Strandtourismus. Ihre Brutkolonien sind daher heute auf besonders geschützte Bereiche innerhalb von Naturschutzgebieten wie am Schwansener See beschränkt. Die im Wattenmeer stark verbreitete Küstenseeschwalbe brütet an der Ostseeküste nur an wenigen geschützten Standorten. Sie gilt als Zugvogelart mit der längsten Zugstrecke überhaupt. Vögel aus der Arktis überwintern in der Südpolarregion. Der Sandregenpfeifer ist durch seine hellbraune Oberseite gut getarnt. Als Nest dient eine einfache Mulde im Sand. Nähert sich ein Feind, täuschen die Vögel Flugunfähigkeit vor und versuchen diesen von ihrer Brut wegzulocken. Dabei besteht die Gefahr, dass die Eier auskühlen und absterben. Damit die seltenen Vögel ungestört brüten können und die Eier nicht zertreten werden, ist der Strandbereich von April bis September gesperrt.

Besonderer Schutz

Kartoffelrose

Das Naturschutzgebiet ist Lebensraum zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Der Strandwall darf nicht betreten werden. Während der Brutzeit zwischen 15. März und 17. Juli werden alle Besucher gebeten, sich gegenüber den brütenden Vögeln möglichst rücksichtsvoll und ruhig zu verhalten. In dieser Zeit dürfen die ausgewiesenen Wege nicht verlassen werden. Am Schwansener See werden Maßnahmen zur Verbesserung und Wiederherstellung von Lagunen- und Küstenwiesenkomplexen umgesetzt. Die Beweidung sowie die Neuanlage von Laichgewässern erfolgt im Rahmen des von der EU teilfinanzierten „LIFEBaltCoast-Projektes“, das im gesamten Ostseeraum durchgeführt wird.